Chemikalien im Reinigungsalltag

Kürzübersicht
Im professionellen Reinigungsumfeld kommen häufig chemische Produkte wie Reinigungs- oder Lösungsmittel zum Einsatz. Damit diese sicher angewendet werden, sind die Informationen auf der Etikette und im Sicherheitsdatenblatt (SDB) entscheidend. Diese Übersicht fasst die wichtigsten Begriffe und Kennzeichnungselemente nach Schweizer Vorgaben zusammen.
Wir gehen auf folgende Kapitel ein:
1. Chemieetikette: Relevante Angaben auf einen Blick
2. Gefährliche Chemikalien: Informieren, erkennen, handeln
3. GHS in der Schweiz: Einheitliche Kennzeichnung
4. Gefahrensymbole und GHS-Piktogramme (9 Symbole)
5. Signalwort, H-Sätze und P-Sätze: Bedeutung im Alltag
6. Sicherheitsdatenblatt (SDB): Wo Sie Details finden
7. UFI-Nummer: Eindeutiger Rezepturidentifikator
8. pH-Wert: Einordnung (sauer, neutral, alkalisch)
9. Was tun bei einem Chemieunfall
10. Praxis-Checkliste für Betriebe und Reinigungsteams
1. Was steht auf einer Chemie-Etikette?

Chemie-Etikette: relevante Angaben auf einen Blick
Die Etikette ist die erste Informationsquelle im Alltag. Je nach Produktart gelten unterschiedliche Pflichten. Typische Kennzeichnungselemente (Beispiele) sind:
■ Produktname / Produktidentifikator
■ Herstellerin/Importeurin bzw. verantwortliche Stelle (Name, Adresse; häufig auch Telefonnummer/Info-Line)
■ GHS-Piktogramme
■ Signalwort («Gefahr» oder «Achtung»)
■ Gefahrenhinweise (H-Sätze) im Wortlaut
■ Sicherheitshinweise (P-Sätze) im Wortlaut
■ UFI (falls für das Produkt vorgeschrieben)
■ Inhaltsangaben bzw. Inhaltsstoffe, sofern spezialrechtlich gefordert (z.B. bei bestimmten Wasch- und Reinigungsmitteln)
■ Nennmenge / Inhalt (z.B. ml, l, kg)
■ Gebrauchsanweisung, falls für die sichere Anwendung nötig
Sprachen: Seit 1. Mai 2022 muss die Kennzeichnung mindestens in einer Amtssprache des Ortes erfolgen, an dem der Stoff oder die Zubereitung abgegeben wird. Im Einvernehmen mit beruflichen Verwenderinnen kann auch eine andere Amtssprache oder Englisch möglich sein.
2. Gefährliche Chemikalien: Informieren, erkennen, handeln
Viele Betriebe arbeiten mit gefährlichen Chemikalien – oft, ohne dass allen Mitarbeitenden die Risiken vollständig bekannt sind. Gefährliche Chemikalien können Menschen und Umwelt schädigen (z.B. durch Verätzungen oder Vergiftungen). Dazu zählen sowohl Stoffe (z.B. Methanol, Aceton, Salzsäure) als auch Zubereitungen/Gemische wie Farben, Lacke, Klebstoffe, Reinigungs- oder Lösungsmittel.

3. GHS in der Schweiz: einheitliche Kennzeichnung
Das «Globally Harmonized System» (GHS) sorgt dafür, dass gefährliche Chemikalien weltweit einheitlich gekennzeichnet werden. In der Schweiz gilt das GHS-System seit 2009. Chemikalien, die eine Gefahr darstellen, tragen GHS-Piktogramme und dazugehörige Hinweise auf Etikette und im SDB.
Bereits die Bezeichnung "Gefahrstoffe" macht klar, dass hier grösste Vorsicht am Platz ist. Denn eine unsachgemässe oder nachlässige Handhabung kann zu schweren Verletzungen oder gar zum Tod führen. Doch welche Stoffe sind nun alle ätzend, explosiv oder entzündlich? Und welche Gefahrstoffklassen unterscheidet man? Unsere Broschüre klärt diese zentralen Fragen.
4. Gefahrensymbole und GHS-Piktogramme
(9 Symbole)
Gefahrenpiktogramme im Blick - Informieren - Erkennen - Handeln.
Das Globally Harmonized System (GHS) der Vereinten Nationen sorgt dafür, dass gefährliche Chemikalien weltweit einheitlich gekennzeichnet werden. In der Schweiz gilt das GHS-System seit 2009.
Chemikalien, die eine Gefahr darstellen, tragen spezielle GHS-Symbole – sogenannte GHS-Piktogramme. Insgesamt gibt es 9 GHS-Piktogramme. Sie sind in drei Gefahrengruppen unterteilt:
■ Physikalische Gefahren (z. B. Explosions- oder Brandgefahr)
■ Gesundheitsgefahren
■ Umweltgefahren
Gefährliche Chemikalien kommen in vielen Bereichen zum Einsatz – von der chemischen Industrie über die Metallverarbeitung bis hin zum Handwerk. Dazu zählen sowohl Stoffe wie Methanol, Aceton oder Salzsäure als auch Zubereitungen wie Farben, Lacke, Klebstoffe, Reinigungs- und Lösungsmittel.
Dank diesen GHS-Gefahrenpiktogramme erkennen alle Nutzerinnen und Nutzer sofort, welche Risiken von einer Chemikalie ausgehen.
Besonders gesundheitsgefährdend sind Chemikalien mit den Piktogrammen GHS 05, 06 und 08. Diese können u.a. hochgiftig, stark ätzend oder krebserregend sein sowie Erbgut und Organe schädigen oder zu Unfruchtbarkeit führen.
Anbei die Erklärung der häufigsten 6 Gefahrensymbole, welche am meisten auf unseren Wibis Chemieprodukten verwendet werden.


Vorsicht gefährlich
Typische Eigenschaften
Kann die Haut irritieren, Allergien oder Ekzeme auslösen, Schläfrigkeit verursachen. Kann nach einmaligem Kontakt Vergiftungen auslösen. Kann die Ozonschicht schädigen.
Massnahmen
Hautkontakt vermeiden. Nur die benötigte Menge verwenden.
Nach Gebrauch sorgfältig verschliessen.

Ätzend
Typische Eigenschaften
Kann schwere Hautverätzungen und Augenschäden verursachen.
Kann bestimmte Materialien auflösen (z. B. Textilien). Ist schädlich für Tiere, Pflanzen und organisches Material aller Art.
Massnahmen
Beim Umgang immer Handschuhe und Schutzbrille tragen.
Nach Gebrauch sorgfältig verschliessen.

Gewässergefährdend
Typische Eigenschaften
Kann Wasserorganismen wie Fische, Wasserinsekten und Wasserpflanzen in geringen Konzentrationen akut oder durch Langzeitwirkung schädigen.
Massnahmen
Gefahren- und Sicherheitshinweise auf der Etikette beachten sowie Gebrauchsanweisung / Dosiervorschriften befolgen. Produkte oder teilentleerte Gebinde an Verkaufsstelle zurückgeben oder als Sonderabfall entsorgen.

Gesundheitsschädigend
Typische Eigenschaften
Kann bestimmte Organe schädigen. Kann zu sofortiger und langfristiger massiver Beeinträchtigung der Gesundheit führen, Krebs erzeugen, das Erbgut, die Fruchtbarkeit oder die Entwicklung schädigen.
Kann bei Eindringen in die Atemwege tödlich sein.
Massnahmen
Niemals einnehmen, jeden unnötigen Kontakt vermeiden, auch an langfristige Schädigungen denken. Nach Gebrauch sorgfältig verschliessen.

Hochentzündlich
Typische Eigenschaften
Kann sich durch den Kontakt mit Flammen und Funken, durch Schläge, Reibung, Erhitzung, Luft- oder Wasserkontakt entzünden. Kann sich bei falscher Lagerung auch ohne Fremdeinwirkung selber entzünden.
Massnahmen
Zündquellen vermeiden. Geeignete Löschmittel bereithalten. Auf die Lagertemperatur achten. Nach Gebrauch sorgfältig verschliessen.

Brandfördernd
Typische Eigenschaften
Kann Brände verursachen oder beschleunigen. Setzt beim Brand Sauerstoff frei, lässt sich daher nur mit speziellen Mitteln löschen. Ein Ersticken der Flammen ist unmöglich.
Massnahmen
Immer entfernt von brennbaren Materialien aufbewahren. Geeignete Löschpräparate bereithalten. Nach Gebrauch sorgfältig verschliessen.
5. Signalwort, H-Sätze und P-Sätze: Bedeutung im Alltag
Auf Etiketten finden Sie zusätzlich zum Piktogramm ein Signalwort sowie standardisierte Hinweise:
■ Signalwort: «Gefahr» oder «Achtung» (je nach Einstufung)
■ H-Sätze (Hazard Statements): beschreiben die spezifische Gefahr, z.B. «Verursacht schwere Augenreizung».
■ P-Sätze (Precautionary Statements): beschreiben Schutz- und Vorsichtsmassnahmen, z.B. «Schutzhandschuhe tragen».
Lesen Sie H-Sätze immer im Zusammenhang mit den Piktogrammen und den P-Sätzen. So lassen sich Risiko und passende Schutzmassnahmen korrekt ableiten.

6. Sicherheitsdatenblatt (SDB): wo Sie Details finden
Das Sicherheitsdatenblatt (SDB) ergänzt die Etikette und enthält vertiefte Angaben zu Gefahren, Schutzmassnahmen, Lagerung, Transport, Entsorgung und Erste Hilfe. Im Betrieb sollten SDBs zugänglich und aktuell sein.
In der Schweiz ist es für gewerbliche Anwender gesetzlich vorgeschrieben und ein zentraler Bestandteil der Arbeitssicherheit.
Das Sicherheitsdatenblatt informiert über:
■ Mögliche Gesundheits- und Umweltgefahren
■ Den sicheren Umgang mit dem Produkt
■ Erforderliche Schutzmaßnahmen und persönliche Schutzausrüstung (PSA)
■ Erste-Hilfe-Massnahmen im Notfall
■ Lagerung, Transport und fachgerechte Entsorgung
Warum ist das SDB wichtig?
■ Erhöht die Sicherheit am Arbeitsplatz
■ Unterstützt die Einhaltung der Schweizer Chemikaliengesetzgebung
■ Schützt Hauswarte, Reinigungspersonal und Profis
■ Muss jederzeit zugänglich sein

7. UFI-Nummer: eindeutiger Rezepturidentifikator
Der Unique Formula Identifier (UFI) ist ein 16-stelliger alphanumerischer Code auf Etiketten gefährlicher chemischer Produkte. Er ermöglicht dem Giftinformationszentrum Tox Info Suisse eine schnelle Identifikation der Zusammensetzung bei einem Vergiftungsfall (über den Bezug zum Produkteregister Chemikalien, RPC).
Die UFI Nummern der Wibis Chemieprodukte sind schweizweit, aber auch im EU-Raum zertifiziert.
Wichtige Punkte zum UFI:
■ Der UFI ist gemäss Chemikalienverordnung auf dem Etikett deutlich sichtbar, lesbar und unverwischbar anzugeben und mit «UFI:» zu kennzeichnen.
■ Der UFI ist bei der Meldung im Produkteregister Chemikalien (RPC) zu hinterlegen.
■ Nicht jedes Produkt trägt zwingend einen UFI (z.B. wenn es nur als umweltgefährlich eingestuft ist oder als nicht gefährlich gilt).
Pflicht ab 1. Januar 2026 in der Schweiz: Alle gefährlichen Zubereitungen, Biozid- und Düngemittel, die Gesundheits- oder physikalische Gefahren aufweisen, müssen einen UFI tragen.

8. pH-Wert: Einordnung (sauer, neutral, alkalisch)
Der pH-Wert beschreibt, ob eine wässrige Lösung sauer, neutral oder alkalisch ist. Bei Wasch- und Reinigungsmitteln kann ein extremer pH-Wert bei der Einstufung (z.B. hinsichtlich möglicher hautätzender Wirkung) eine Rolle spielen.
Entscheidend sind jedoch stets die Einstufung und Kennzeichnung auf Etikette und im SDB.
■ pH 0 - 6 | Sauer (Säurebereich) | Saure Mittel lösen Kalk
■ pH 7 | Neutral (Neutralbereich) | Unterhaltsreiniger sind meist neutral
■ pH 8 - 14 | Alkalisch (Laugenbereich) | Alkalische Mittel lösen Fett & Schmutz
Je weiter weg der pH Wert vom neutralen Bereich (pH 7) liegt, desto stärker ist das Mittel.

9. Erste Hilfe Massnahmen
Vorgängig schützen
Der sichere Umgang mit Reinigungschemie beginnt vor der Anwendung. Durch gezielte Präventionsmassnahmen lassen sich Unfälle, Gesundheitsrisiken und Ausfallzeiten deutlich reduzieren. Klare Prozesse, geschulte Mitarbeitende und die richtige Schutzausrüstung sorgen dafür, dass gefährliche Stoffe korrekt eingesetzt werden und Risiken für Mensch und Umwelt minimiert bleiben.
Präventionsmassnahmen:
■ Sicherheitsdatenblätter beachten
■ Chemikalien niemals mischen
■ Persönliche Schutzausrüstung tragen
■ Korrekte Lagerung und Beschriftung der Produkte
■ Regelmässige Schulung der Mitarbeitenden
Beispiel – Erste-Hilfe-Massnahmen bei Chemieunfällen:
■ Hautkontakt: sofort mit viel Wasser spülen
→ Verdünnt die Chemikalie und reduziert Verätzungen oder Reizungen
■ Augenkontakt: Augen mindestens 10–15 Minuten ausspülen
→ Spült gefährliche Rückstände aus und schützt vor bleibenden Augenschäden
■ Einatmen von Dämpfen: an die frische Luft bringen
→ Entlastet die Atemwege und verhindert weitere Reizung oder Vergiftung
■ Verschlucken: Kein Erbrechen. Kein Trinken ohne fachliche Anweisung. Immer 145 anrufen
→ Verhindert zusätzliche Verätzungen von Speiseröhre und Mund sowie das Eindringen in die Lunge
■ Bei Unsicherheit: Tox Info Suisse – 145 kontaktieren
→ Fachliche Beratung rund um die Uhr bei Vergiftungen in der Schweiz
■ Bei schweren Fällen: Notruf 144
→ Schnelle medizinische Hilfe kann lebensrettend sein
9. Praxis-Checkliste für Betriebe und Reinigungsteams
Diese Punkte helfen im Alltag, Chemikalien sicher zu verwenden:
■ Etikette lesen: Piktogramme, Signalwort, H- und P-Sätze, UFI (falls vorhanden).
■ SDB bereitstellen und nutzen: Details zu Schutzmassnahmen, Lagerung, Transport, Entsorgung und Erste Hilfe.
■ Nur geschultes Personal einsetzen und klare Arbeitsanweisungen festlegen (Organisation/Instruktion im Betrieb).
■ Wenn möglich Alternativen prüfen und besonders gesundheitsgefährdende Chemikalien ersetzen.
■ Schutzmassnahmen konsequent umsetzen (z.B. Handschuhe/Augenschutz gemäss P-Sätzen).

